Fiat Lux – das geschwätzige Automobil

Als Abschluss einer langen Reise – in Belgrad mit The Track:Pop|Ikarus begonnen – war das Blogmobil in Albersdorf bei der Konferenz Mythos Puch 2015 zu Gast.

Von dort bringen wir ein kleines 4k Video mit einem kleinem Auto mit. Im Video zu sehen: Fiat Lux und was passiert, wenn man ein Auto mit künstlicher Intelligenz ausstattet. So geschehen vom Team um  Martin Krusche (kunst ost) und Ewald Ulrich (Fokus Freiberg). Dieses interdisziplinäre Team – federführend war dabei Ewald Ulrich von Ana-U – setze dem Miniatur-Fiat ein elektronisches Gehirn ein. Damit kann “die Maschine” eigenständig mit Menschen interagieren und auf Mimik, Gesten und Zurufe re-agieren. Die eben erst preisgekrönten steirischen Industriedesigner Willi Gangl und Alfred Urleb (Wigl Design) fanden das Projekt so interessant, daß sie die Gestaltung dieses höchst interessanten Artefakts übernommen haben.

Die zweitägige Veranstaltung Mythos Puch 2015 in Alberdorf hatte das Motto: „Die Ehre des Handwerks, das Gewicht der Kunst, der Geist in der Maschine“. In idealer Ort und Zeitpunkt für die Weltpremiere des Fiat-Lux. Die Bühnenauftritte der “kleinen Maschine” hat die “große Maschine” festgehalten. Einen kurze Zusammenfassung gibt es seit heute in Youtube zu sehen.

Wer ist Fritz Reichl?

Das Blogmobil begleitet eine Gruppe Architektur Studierende auf der Spurensuche nach dem vergessenen Genie Fritz Reichl. Architekt Klaus-Jürgen Bauer und Prof. Peter Ferschin leiten die „SoKo Fritz Reichl“, in der Lehrveranstaltung Großes Entwerfen an der TU-Wien werden derzeit Fakten und Indizien gesammelt, welche im Herbst in Rahmen einer Ausstellung im Architektur Raum Burgenland zu sehen sind.

Die Google-Suche nach Fritz Reichl liefert wenig Fakten. Ein Absatz im Wien Wiki und in der Wikipedia sowie ein kurzer Lebenslauf auf der Webseite des Architektur Zentrum Wien sind die ganze Ausbeute. Weder Bilder von Fritz Reichl noch eine kritische Würdigung seines Schaffens sind in digitalen Wissensräumen vorhanden. Ein Umstand der dringend einer Korrektur benötigt.

Wir machen uns auf die Suche nach Zeitzeugen und primär Quellen, z.B. dem „Reichl Plan“ aus dem Jahr 1926 . Das Blogmobil unterstützt dabei die Architektur StudentInnen bei der Digitalisierung der analogen Quellen und wird die Arbeit der SoKo filmisch dokumentieren.

 

Filmpräsentation im ORF Landesstudio Steiermark

Vor einigen Tagen haben Franz Neger und Helmut Santner den Film „Erzählt, was ihr erlebt habt!“ fertiggestellt, gestern wurde dieser als Vorpremiere im ORF Landesstudio Steiermark gezeigt. Gernot Rath, Leiter der ORF Steiermark Kultur und Kommunikation, führte durch den Abend und hat dabei die Stars des Films, 13 Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, in den Mittelpunkt gestellt. Sie erzählen in der Dokumentation von ihren Erinnerungen, von schrecklichen und außergewöhnlichen Erlebnissen, und wie die Zeit des Zweiten Weltkrieges ihr ganzes Leben geprägt hat. Selbst 70 Jahre nach Kriegsende ist eine große emotionale Bewegtheit zu spüren, die in dem Film meisterlich von Kameramann Ernst Hasiba eingefangen wurde.

Zeitzeugen aus dem  Film  © ORF/Marija Kanižaj

Zeitzeugen aus dem Film © ORF/Marija Kanižaj

Frau Bettina Vollath, Landesrätin für Bildung, Jugend, Frauen und Familie, hat in ihren einführenden Worten die Wichtigkeit einer kollektiven Erinnerung an eine Zeit die wir niemals vergessen sollten, hervorgehoben. Neben einer (akademischen) Aufarbeitung unserer Zeitgeschichte gelte es auch die individuellen, emotionalen Erinnerungen der Zeitzeugen zu dokumentieren und zu bewahren. Aus nun fast 400 Zuschriften wählt Franz Neger Zeitzeugen aus, sammelt Erinnerungen, und bereitet diese für verschiedene Sendeformate auf. Am 17.05.2015 ist eine erste “Erinnerungs-Sammlung” ab 18.25 Uhr im Rahmen eines Österreichbilds in ORF 2 zu sehen, bis Jahresende folgen weitere “Zeitreisen Spezial”, jeweils samstags in “Steiermark heute”.

Das Team umringt Landesdirektor Gerhard Draxler  © ORF/Marija Kanižaj

Das Team umringt Landesdirektor Gerhard Draxler © ORF/Marija Kanižaj

Das Blogmobil in der Anfangssequenz  der Dokumentation

Das Blogmobil in der Anfangssequenz der Dokumentation

Gernot Rath interviewt Franz Neger  © ORF/Marija Kanižaj

Gernot Rath interviewt Franz Neger © ORF/Marija Kanižaj

Ernst Hasiba (DoP) und Franz Neger  (Regie)   © ORF/Marija Kanižaj

Ernst Hasiba (DoP) und Franz Neger (Regie) © ORF/Marija Kanižaj

Helmut Santner  (Schnitt)  © ORF/Marija Kanižaj

Helmut Santner (Schnitt) © ORF/Marija Kanižaj

Im Publikumsstudio des ORF Steiermark  © ORF/Marija Kanižaj

Im Publikumsstudio des ORF Steiermark © ORF/Marija Kanižaj

Zeitzeugen Branding

Im Zeitzeugen Projekt wurde das Blogmobil für den ORF Steiermark “ge-brandet”. Der Begriff Branding leitet sich von Brandzeichen zur Kennzeichnung von Tieren ab, wir haben dies etwas einfacher mit Folien bewerkstelligt.

Thomas Hasiba (hasimed) hat seinen Folienschneider gestartet und getreu der Vorgaben des ORF Corporate Design Logo und Kontaktadresse hergestellt, sein Bruder Ernst Hasiba hat das Blogmobil anschliessend fachgerecht beklebt. Vielen Dank an die Brüder Hasiba für das perfekte und super schnelle Re-Branding des Blogmobils. So wurde das Blogmobil zum ORF Zeitzeugen Projektfahrzeug mit dem nun Zeitgeschichte in der Steiermark – im wahrsten Sinne des Wortes – erfahren wird.

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ORF Steiermark Logo – Foto: Franz Neger

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Ernst Hasiba (links) assistiert von Dominik Reiter (rechts) – Foto: Franz Neger

Erzählt, was ihr erlebt habt!

Franz Neger fährt mit seinem Team im Blogmobil zu Zeitzeugen in der Steiermark. Das ORF Landesstudio Steiermark hat im Gedenkjahr 2015 einen Aufruf gestartet, und über 300 Zeitzeugen haben sich dazu gemeldet.

Im Rahmen des großen Zeitzeugen Projekts „Erzählt, was ihr erlebt habt“ besucht Franz Neger Steirerinnen und Steirer, welche die Zeit von 1938 bis zum Kriegsende 1945 noch persönlich miterlebt haben. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt durch den Zeithistoriker Univ. Prof. Helmut Konrad.

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Das Making-of der Dreharbeiten ist im Blogmobil Kanal abrufbar, die gesamte Dokumentation wird am 17. Mai um 18:30 in einem Österreich-Bild des ORF Landesstudios Steiermark zu sehen sein.

Blogmobil goes 4k

Lange war es ruhig um das Blogmobil, doch die Ruhe täuscht. Hinter den Kulissen wurde fleissig geplant und konzipiert. Die Haupterweiterung für zukünftige Projekte ist die Ausstattung des Interviewplatzes mit 4k Kameras.

4K ist ein Auflösungsstandard, der für Digitales Kino und Computergrafik entwickelt wurde. In der Videotechnik entspricht dies in etwa der Ultra High Definition (UHD), welche eine vierfache HD Auflösung darstellt. Videos in 4k/UHD Auflösungen sind sehr detailreich und zeigen bei einem Interview sowohl Personen als auch Bilder, Fotos und Dokumente in (derzeit) bester Qualität, getreu dem Motto “die höchste Auflösung ist für das Blogmobil gerade gut genug”.

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Das Haus des Sammelns

Im Ausseerland wird viel gesammelt, davon konnte sich das Blogmobil-Team bei seinem letzten Aufenthalt überzeugen. Tassen, alte Autos, geschnitzte Holzfiguren und vieles, vieles mehr wird hinter dem Grimminig gehortet. In Bad Mitterndorf, dem „Eingang“ zum Ausseerland, ist sogar ein Wohnhaus ein einziges Sammelsurium: das Haus von Franz Strick und seiner Gattin.

Franz Strick, der Großvater, begann vor über 70 Jahren zu sammeln. Er hatte sich vor allem auf Steine und Mineralien spezialisiert. Sein Sohn, Franz Strick, setzte seine Leidenschaft fort und erweiterte die Sammlung um viele andere Bereiche. So gibt es im Hause Strick im Erdgeschoß einen beachtliche Bibliothek zu bestaunen, voll mit alten Büchern aus dem Ausseerland, die Franz Strick während des Kriegs rettete. Er sammelte aber auch Möbel, bäuerliche Haushaltsgegenstände, Münzen, Bilder und vieles mehr. Sein Sohn übernahm die Sammlung schließlich und betreut sie bis heute mit seiner Gattin und seiner Tochter. Heute ist das „Strick-Haus“ eine klassische private heimatkundliche Sammlung, die die Geschichte und das Leben im Ausseerland in allen Facetten erzählt.

1958 ließ Franz Strick das Haus umbauen, um die vielen Gegenstände besser präsentieren zu können. Im ersten Stock, über der Bibliothek, befinden sich beispielsweise Knochen von Höhlenbären und Elchen aus dem Toten Gebirge und dem Dachsteinmassiv, eine Katzenmumie, Heiligenstatuen, eine Schlüsselsammlung, Wanduhren, alte Schreibmaschinen, Mineralien oder sowie Devotionalien. Über eine steile Holztreppe gelangt man in das Dachgeschoß. Hier werden die Krampusmasken und Kostüme des Mitterndorfer Krampusspiels aufbewahrt. Zudem steht hier auch die mit etwa 150 Figuren größte Mitterndorfer Krippe. Weiter hinten befinden sich eine Waffensammlung, Waagen, alte Ski und ein Hochrad.

Die Leidenschaft der Familie erbte auch auch Regina Egger, die Tochter von Franz Strick. Sie hat die Familiensammlung um etwas erweitert, das es noch nicht im Strick-Haus gab: Puppen. Seit über elf Jahren sammelt Regina Egger die kleinen Figuren und hat mittlerweile eine beachtliche Zahl zusammengetragen: Etwa 600 Püppchen von überallher wohnen in einem eigenen Zimmer. viele stammen von Floh- und Fetzenmärkten, die meisten wurden ihr jedoch geschenkt. „Die Leute bringen mir die Puppen, weil sie wissen, dass sie hier etwas wert sind“, sagt Regina Egger. Für ihre Sammlung hat sie nicht mehr als 100 Euro ausgegeben. „Es geht mir nicht darum, teure Puppen zu besitzen, sondern solche mit einem besonderen Gesicht.“

Franz Strick hat sein Haus mittlerweile seiner Tochter Regina überschrieben. Sie wird sich auch in Zukunft um  die vielen Gegenstände darin kümmern, und dafür sorgen, dass ein Teil der Geschichte des Ausseerlandes für alle Interessierten einsehbar ist.

 

 

Bewahren & Erforschen

Ao.Univ.-Prof. Mag. Dr.phil. Marlies Raffler ist Sammelexpertin. Mehrere Monographien und wissenschaftliche Beiträge hat die Dozentin am Institut für Allgemeine Geschichte der Neuzeit an der Universität Graz zum Thema bereits veröffentlicht. In einem Interview (mehr zu lesen im Austria-Forum) erzählt sie von der Geschichte des Sammelns und welchen Stellenwert privates Sammeln hat.

Kann man so etwas wie eine Geschichte des Sammelns festmachen? Oder beginnt es wirklich mit den Jägern & Sammlern der Steinzeit?

Das Sammeln als anthropologische  Konstante und Notwendigkeit zum Überleben unterscheidet sich wesentlich vom Phänomen „Sammeln“ und dem musealen Sammeln im Speziellen. Letzteres ist bereits für den Alten Orient (Shutruk Nahhunte, König von Elam: Tempelmuseum, Nebukadnezar II. von Babylon: Palastmuseum „Zum Staunen der Menschheit“,  Palast der Bel-Shalti-Nannar, Tochter des letzten Königs der Chaldäer im 6.Jh. v. Chr.) nachweisbar.

Gibt es eine Epoche, in der besonders gerne gesammelt wurde?

Eine Konzentration „musealen Sammelns“ in den Kunst- und Wunderkammern der Frühen Neuzeit ist auffällig. Es ist jedoch davon auszugehen, dass vergleichbare Phänomene in fast allen Epochen, vor allem in der Gegenwart, zu konstatieren sind, wo bereits Kinder (Stickeralben, Überraschungsei-Figuren) zu Sammlern werden.

Ist Sammeln ein weltweites Phänomen?

Wenn wir SAMMELN  als Überbegriff für das Erkennen von Bewahrenswertem verstehen, als das Zusammentragen, Aufbewahren von Objekten, die für den Sammler subjektiv einen Wert verkörpern, so ist das Phänomen als ein zutiefst menschliches Bedürfnis in vielen Kulturen weltweit zu finden. Sammeln fungiert als Quelle der Selbstdefinition, trägt zur Identitätsfindung bei.

Welchen Stellenwert haben Privatsammlungen in der Geschichte?

Da Privatsammlungen bis zum Aufkommen von Museen neben Landesfürsten und Kirche als Träger musealen Sammelns fungieren, deren Sammlungen zu Beginn des 19. Jh. zum Teil institutionalisiert wurden, kommt ihnen eine herausragende Stellung im Bewahren und Erforschen zu.

»Ich bin ein Horter« – oder: Der Mann mit dem Glocknerautobus

Es ist eine schier unglaubliche Zahl, die uns Herbert Werner im Interview nennt. Der leidenschaftliche Sammler besitzt nämlich PKWs, 10 Oldtimer, 45 LKWs, 15 Autobusse und Hunderte Gemälde der österreichischen klassischen Moderne, besonders mit Ausseer-Motiv, sowie zahlreiche Armbanduhren. Wie er selbst sagt: »Ich bin ein Horter.«

Den größten Schatz seiner Sammlung präsentierte er beim Kammerhofmuseumsfest in Bad Aussee. Der Glocknerautobus von Gräf & Stift ist einer von nur insegsamt zwölf gefertigten Sondermodellen. Diese sind laut Werner eineinhalb Meter kürzer, damit man die Serpentinenstraße zum Großglockner leichter fahren kann, haben einen Notausstieg hinten auf der Fahrerseite, eine Dachverglasung und ein Schiebedach. »Das war damals der Luxusreisebus schlechthin«, so Werner.

Der Bus selbst gelangte über zehn Ecken in seinen Besitz, den er über mehrere Garagen und Depots in Österreich verteilt hat. Angemeldet wurde der Bus 1950, ausgeschieden bei der Post ist er 1962. Danach wurde er als Werkstättenwagen in Steinbrüchen benutzt, ehe er nacheinander von zwei unterschiedlichen Sammlern übernommen wurde. Aber erst Werner traute sich, den demolierten Bus zu restaurieren. »Alle Scheiben waren eingeschlagen, und er war von der Post zugeblecht worden, weil er undicht war.« 22 Monate lang wurde der Glocknerbus umgebaut, für jede Scheibe wurde eigens ein Blechmodell hergestellt, um die Scheiben wieder herstellen zu können. Der Versicherungswert seines Busses liegt bei 250.000 Euro, so Werner.

Die Firma Gräf & Stift hat es dem Sammler ganz besonders angetan. Die österreichische Firma, die 1904 gegründet und 1971 aufgelassen wurde, stellte aber nicht nur Autobusse her, sondern in der Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg auch 1500 PKWs, wobei hier weltweit nur noch 30 erhalten sind. Das Symbol des Automobilherstellers, der Löwe der auf der Weltenkugel thront, ist auch Herbert Werners Symbol. So weit geht die Sammlerliebe.